Mit Anke Homann, NDR-Rundfunkrätin, im Gespräch.

Datum: 26. September 2019

Uhrzeit: 19:00 bis 21:30 Uhr

Ort: Begegnungsstätte, Waldstraße 1, Wahlstedt

Die Öffentlich-Rechtlichen sind eine wichtige Errungenschaft, aber selbstverständlich nicht frei von Kritik. Der Diskurs um die Zukunft der öffentlich-rechtlichen Sender soll nach diesem Premierenabend weiter gehen.

NDR-Rundfunkrätin Anke Homann, auch Stellv. Vorsitzende des Länderrundfunkrates Schleswig-Holstein,  berichtete in der Begegnungsstätte Wahlstedt aus ihrer Arbeit im Kontrollgremiums des NDR. Und eine kleine und doch mit Insidern der Branche „gespickte“ Gesprächsrunde diskutierte mit ihr über zweieinhalb Stunden. Die Beiträge kreisten zwischen grundsätzlicher Sypathie und Unterstützung für die Öffentlich-Rechtlichen einerseits und deutlichen Kritikpunkten am Umgang mit Programmkritik und der verflachenden Annäherung an die Kommerzsender anderserseits.

Eine wichtige Rolle spielten den anwesenden Zuhörern und Zuschauern sowie Rundfunkinsidern die ökonomischen Rahmenbedingungen des Senders. Einerseits „müssen die Redaktionen sich die Ressourcen für Hintergrundrecherchen aus den Rippen schneiden“, auf der anderen Seite „schaffen unsichere Beschäftigungsverhältnisse nicht die individuellen Voraussetzungen für Courage und Konfliktfestigkeit“ in der Auseinandersetzung um innere Pressefreiheit. Mit anderen Worten, Recherche und Rückgrat brauchen Finanzierung und soziale Absicherung.

„Lobbyorganisationen der Wirtschaft, wie Bertelsmann und Co. propagieren mit einem enormen Sach- und Personalaufwand quasi mundgerechte Sendebeiträge zu allen wichtigen Interpretationen“ und machten mit sehr regionalisierten Beiträgen jede zusätzliche Sender-Recherche scheinbar wirtschaftlich fragwürdig. Was ein Rentenspezialist „aus seinen Erfahrungen heraus“ kritisierte sahen andere Teilnehmer ähnlich beim quasi monopolisierten Nachrichtenangebot der wenigen privaten Agenturen.

Hinterfragt wurde auch der steigende föderale Aufwand der nicht selten doublettenhaften Senderprogramme, nicht nur bei Krimis oder Quizshows.

Eine Anpassung der Rundfunkbeiträge zum Ersatz der Werbeunterbrechungen im Programm hätte an diesem Abend wohl eine deutliche Mehrheit gefunden. Ein Ex-Chefredakteur brachte es für sich auf den Punkt: „Der öffentlich-rechtliche Rundfunkt braucht keine Werbung.“

Nach intensivem Austauschs war allen Beteiligten klar: Dieses Gespräch bedarf der Fortsetzung. Anke Homann versprach den Gesprächskreis zu einem Besuch des Landesfunkhauses nach Kiel einzuladen. Gelegenheit nicht nur um den Senderbetrieb näher kennen zu lernen, sondern auch die wichtige Rolle der öffentlich-rechtlichen Sender für einen aufgeklärten demokratischen Diskurs weiter zu debattieren.